Schlaf, Kognition und Wahrnehmung im Psychose-Spektrum
Wie beeinflussen Schlaf, Kognition und Wahrnehmung Psychosen?
Projekt in Kürze: Das komplexe Zusammenspiel von Schlaf sowie kognitiven und wahrnehmungsbezogenen Prozessen kann aus dem Gleichgewicht geraten, insbesondere während der Adoleszenz, einer hochdynamischen Phase der Gehirnentwicklung. In dieser longitudinalen Studie untersuchen wir psychologische Aspekte und elektrophysiologische Grundlagen des Schlafs entlang des Psychose-Spektrums bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Mithilfe eines multimodalen, häuslichen Ansatzes möchten wir charakterisieren, wie sich Schlafoszillationen, Arousaldynamik und Schlafstabilität zwischen gesunden Personen, Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko und Personen mit einer Diagnose aus dem Schizophrenie-Spektrum unterscheiden.
Ziel des Projekts ist es, das Zusammenspiel zwischen Veränderungen im Schlaf und Veränderungen kognitiver sowie wahrnehmungsbezogener Prozesse im Wachzustand besser zu verstehen und neurophysiologische Marker für Vulnerabilität und Krankheitsprogression im Psychose-Spektrum zu identifizieren.
Projektbeschreibung: Diese longitudinale Studie untersucht Schlaf als mögliches Fenster in die neurobiologischen Mechanismen, die Psychose-Spektrum-Störungen während einer kritischen Entwicklungsphase zugrunde liegen. Teilnehmende im Alter von 12 bis 21 Jahren werden zu drei Messzeitpunkten im Abstand von jeweils sechs Monaten untersucht, wodurch Veränderungen innerhalb derselben Personen über die Zeit hinweg erfasst werden können. Die Kohorte umfasst gesunde Kontrollpersonen, Personen mit klinisch hohem Psychoserisiko sowie Patient:innen mit einer Diagnose aus dem Schizophrenie-Spektrum.
Das Projekt nutzt einen häuslichen, multimodalen Datenerhebungsansatz, um die Schlafphysiologie und ihre verhaltensbezogenen sowie klinischen Korrelate in einer natürlichen Umgebung zu erfassen. Durch den Fokus auf Schlafoszillationen – einschließlich Schlafspindeln und ihrer infraslowen Organisation – sowie Marker der Arousalregulation und Schlaftiefe möchten wir Veränderungen in der zeitlichen und räumlichen Struktur des Schlafs charakterisieren. Die Datenerhebung läuft derzeit noch, und aktuelle Analysen konzentrieren sich auf die Verknüpfung elektrophysiologischer Schlafmarker mit kognitiver Funktion, Symptomverläufen und klinischen Outcomes.
Der multimodale Datensatz umfasst:
- Elektrophysiologie: Longitudinale hochdichte Schlaf-EEG-Aufzeichnungen im häuslichen Umfeld (64 Elektroden)
- Aktigraphie: Kontinuierliche Erfassung von Schlaf-Wach-Mustern
- Neurokognitive Testungen
- Halbstrukturierte klinische Interviews
- Selbstbeurteilungsfragebögen
Projektziel:
Unser Ziel ist es, diese multimodalen Daten zu integrieren, um besser zu verstehen, wie Veränderungen in der Schlafphysiologie mit Veränderungen in der klinischen Symptomatik zusammenhängen, mit einem besonderen Fokus auf kognitive und wahrnehmungsbezogene Prozesse. Diese Erkenntnisse sollen innovative Therapieansätze sowie „Rund-um-die-Uhr“-Interventionen fördern, die speziell auf junge Menschen zugeschnitten sind. Darüber hinaus ermöglichen die longitudinalen Erhebungen die Identifikation von Zusammenhängen zwischen Verläufen von Schlafoszillationen und entweder Resilienz oder dem Fortschreiten psychopathologischer Entwicklungen.
Link zur Website: https://ubiquitous-grain-3a5.notion.site/Schlaf-Dich-Wach-ea982eecff21491f80d48e989b651a95
Forschungsgruppe
Projektleitung: Dr. med. Miriam Gerstenberg
Doktorandinnen: Mary Eleni Dimitriades
Institution:
Child Development Center
University Children's Hospital Zurich
University of Zurich,Department of Child and Adolescent Psychiatry
Finanzierung
Drittmittel:
- UZH Candoc Grant
- Frutiger Foundation
- EMDO Foundation